Abstract

Im gläsernen Labyrinth

Buchcover «Im gläsernen Labyrinth»

Buchcover «Im gläsernen Labyrinth»

Ist der Karriereweg von Frauen, genauso wie der von Männern, nicht einfach ein steiniger, anspruchsvoller Weg mit verschiedenen Etappen und Hindernissen, bei dem es letztlich auf die Qualifikation derjenigen ankommt, die ihn beschreiten?

So ist es nun in der Tat nicht. Frauen haben gesellschafts- und kulturbedingt durch ihre Sozialisation, durch die Struktur ihres Privatlebens aber auch durch innerbetriebliche Phänomene wie stereotypisierte Evaluationsverfahren viel mehr Hürden zu bewältigen als ihre männlichen Kollegen. Es ist, als würden sie auf ihrem Weg nach oben durch Glaswände aufgehalten, zwischen denen sie immer wieder einen Durchgang finden müssen. Die Wege von Frauenkarrieren sind verschlungen, gebogen und mit Falltüren versehen, durch die frau jederzeit wieder eine Stufe zurückfallen kann.

Es ist ein gläsernes Labyrinth!

Noch heute werden Mädchen mit Bildern bombardiert, die ihnen Rollenzuweisungen vermitteln, die beim besten Willen nicht mit einer späteren Karriere vereinbar sind: Prinzessinnen, Feen und Bräute bevölkern die fast durchwegs rosaroten Spielwelten der Mädchen. Dies schafft Bilder, die die Karrierewünsche von Mädchen einschränken. Was man sich nicht vorstellen kann, wovon man keine klare Vision hat, ist viel schwerer anzustreben, das weiß die Motivationspsychologie.

In Partnerschaften passen sich junge Frauen immer noch eher dem Berufsweg ihrer Partner an, als dass sie konsequent den eigenen verfolgen. Und wenn sich ein Kind ankündigt, sind es in der Regel sie, die ihren Beschäftigungsgrad reduzieren oder vorübergehend aus dem Berufsleben aussteigen.

Es fehlt immer noch an Kinderbetreuungsstätten, und die meisten Arbeitgeber sind rückständig, was Arbeitsmodelle und Präsenzzeiten betrifft. Auch Väter, die Teilzeit arbeiten wollen, werden nicht genügend ernst genommen.

All diese Faktoren schaffen unzählige Glaswände im Labyrinth. Wenn wir dann noch innere Blockaden wie mangelndes Selbstbewusstsein und daraus resultierendes zurückhaltendes Auftreten, unbewusstes Stereotypisieren der Geschlechter in der Gesellschaft und fehlende Seilschaften für Frauen hinzunehmen, ist der „Glaswald“ schon fast komplett. Aber eben noch nicht ganz.

Zu all dem dazu kommen nun noch alltägliche Machtspiele in Organisationen, machtgenerierende und -erhaltende Phänomene und Prozesse in hierarchischen Institutionen, sprachliche und kulturelle Feinheiten der männerdominierten Arbeitswelt, Regeln und Codes, Fallen und Tricks, die es zu kennen gilt, um erfolgreich auf dem Weg durch das Labyrinth unterwegs zu sein.

Dieses Buch nimmt letztere Facetten in den Fokus, beleuchtet aber zusätzlich auch kulturelle und sozialisationsbedingte Hintergründe des Irrgartens. Es will Frauen eine stark praxisorientierte, aber auch wo immer möglich evidenzbasierte Landkarte auf dem Weg durch das Labyrinth in die Hand geben. Das Buch richtet sich an alle Frauen mit Führungsfunktionen oder diejenigen, die eine solche anstreben, an Frauen in Akademie und Forschung, die verstehen möchten, weshalb ihr Karriereweg so steinig ist, und lernen wollen, mit mehr Leichtigkeit und weniger Energieaufwand ihr Ziel zu erreichen. Das Buch versteht sich aber auch als Dienstleistung für alle mehrfach beanspruchten Frauen, denen schlicht die Zeit fehlt, sich mit dem Thema Macht und Karriere ausgiebig zu beschäftigen und haufenweise Bücher und Artikel zum Thema zu wälzen. Das habe ich für sie getan.